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Vorsorge

Warum altern wir

Es ist schon interessant, dass es kein physikalisches Gesetz auf dieser Welt gibt, das besagt, dass wir altern müssen. Warum also altern wir? Die Evolution und das Geheimnis des Lebens sind in der Lage, aus einer einzigen (befruchteten) Zelle einen komplexen lebenden Organismus mit Milliarden von Zellen wachsen zu lassen. Aber offensichtlich ist sie nicht in der Lage, die einfachere Aufgabe zu bewältigen, den Organismus gesund und am Leben zu erhalten? Was geschieht beim altern?

gue · 2 Min. Lesezeit

aging embracing life

aging embracing each season of life

Zunächst müssen wir besser verstehen, was Altern eigentlich ist.

Menschen atmen und essen, folglich sollte die Energiebilanz nicht die Ursache sein (tatsächlich essen wir zu viel, aber ignorieren wir diese moderne menschliche Angewohnheit vorerst mal …).

Der Stoffwechsel hat jedoch seinen Preis. Es entstehen Nebenprodukte. Die Zellteilung beispielsweise wird sehr gut reguliert, aber nicht zu 100 % perfekt. Somit sind die Prozesse des Lebens in gewissem Ausmaße destruktiv. Der menschliche Organismus ist in der Lage, Schäden zu reparieren, aber nicht zu 100 %. Folglich verlieren wir diesen Kampf im Laufe der Zeit, und Fehler und Schäden häufen sich an. Wir altern. Das bedeutet auch, dass wir zunehmend einem hohen Risiko altersbedingter Krankheiten ausgesetzt sind.

Die Altersforschung wurde in jüngster Zeit sehr populär, aber auch kontrovers und provokativ. Forscher auf der ganzen Welt versuchen, das Altern auf genetischer und molekularer Ebene zu erforschen: Was geschieht beim altern? Wann beginnt das altern und wie kann man es verlangsamen, ja vielleicht sogar umkehren?

Der Harvard-Professor David Sinclair ist einer der Wissenschaftler, der Altern als „Krankheit“ vorschlägt. Dies impliziert, dass altern früher oder später „geheilt“ werden kann. Es gibt jedoch viel Kritik an dieser Theorie.

Andere Wissenschaftler behaupten, dass „Alter eindeutig ein Risikofaktor für eine Vielzahl von Krankheiten ist – Altern selbst ist aber keine Krankheit“.

Es gibt einen Definitionsvorschlag für Altern, auf den sich die wissenschaftliche Gemeinschaft allmählich einigt. Die Wissenschaft definiert 12 miteinander verbundene Merkmale des Alterns (“hallmarks of aging”):

  1. Instabilität unserer Gene,
  2. Verkürzung der schützenden Endkappen unserer Chromosome (“Telomere”),
  3. Epigenetische Veränderungen (Zelltypen vergessen allmählich, was ihre Aufgabe ist),
  4. Verlust des Gleichgewicht im Proteinhaushalt (“Proteostase”),
  5. Gestörte Müllentsorgung in unseren Zellen (“Makroautophagie”),
  6. Deregulierte Nährstofferkennung,
  7. Störung der Energieproduktion in unseren Zellen (“mitochondriale Dysfunktion”),
  8. Zellen verlieren allmählich ihre Identität (“zelluläre Seneszenz”),
  9. Erschöpfung der Stammzellen,
  10. Veränderte Kommunikation der Zellen untereinander,
  11. Chronische Entzündungen,
  12. Ungleichgewicht in der Zusammensetzung und Funktion der Mikroorganismen in unserem Körper, speziell im Darm (“Mikrobiom Dysbiose”)

Diese Merkmale des Alterns verändern sich bei jedem Menschen mit unterschiedliche Geschwindigkeit. Das ist der Grund, warum Menschen “schneller” oder “langsamer” altern.

Das wirklich Interessante daran jedoch ist, dass diese Merkmale des Alterns der Prämisse folgen, dass es möglich ist, das Altern durch therapeutische Eingriffe an ihnen zu verlangsamen, zu stoppen oder in Zukunft vielleicht sogar umzukehren.

Aber macht es Sinn, für ein längeres Leben zu kämpfen? Hier ist man sich in der Longevity Community sehr einig: nicht mehr Lebensjahre, sondern mehr gesunde Jahre sind erstrebenswert.

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aging embracing life

aging embracing each season of life


Quellen

  1. Lopez-Otin et. al.. Hallmarks of aging: An expanding universe — Cell (2023) · DOI: 10.1016/j.cell.2022.11.001
  2. David A. Sinclair. Lifespan: Why We Age—and Why We Don’t Have To — Atria Books (2019)