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Lisa Patterer · 2 Min. Lesezeit

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zum Einfluss sozialer Medien auf den Nahrungsergänzungsmittel-Konsum fand bei jungen Erwachsenen einen klaren Zusammenhang: Wer viel supplementbezogenen Content sieht, übernimmt eher unbelegte Gesundheitsversprechen, ist anfälliger für Marketing und ändert seine Ernährung eher nach Online-Inhalten als nach professioneller Beratung. Das Problem ist also nicht Supplementieren an sich, sondern dass es oft ohne echte Grundlage passiert – nach Trend statt nach tatsächlichem Bedarf.
Der Begriff „orthomolekular" – sinngemäß „die richtigen Moleküle in der richtigen Menge" – wurde bereits 1968 vom Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling geprägt. Die Grundidee: Der Körper braucht bestimmte Nähr- und Wirkstoffe in einer für ihn passenden, individuellen Konzentration – nicht pauschal, sondern abgestimmt auf die jeweilige Person. Was damals eine Randposition war, deckt sich zunehmend mit dem, was heute auch datengestützte Präventivmedizin zeigt.
Eine Langzeitbeobachtung von über 1.000 gesunden Erwachsenen zeigte: Bei Personen mit anfänglich auffälligen Blutwerten normalisierten sich diese bei erneuter Messung nach gezielten Anpassungen in den meisten Fällen deutlich. Ohne Kontrollmessung bleibt unklar, ob ein Supplement überhaupt ankommt – im Körper wirkt, was tatsächlich gebraucht wird, oder einfach nur eingenommen wird. Erst die Kombination aus Messwerten und dem, wie man sich fühlt – Energie, Müdigkeit, Stimmung, Konzentration – zeigt, was der eigene Körper wirklich braucht.
Mit dem Alter verändert sich die Aufnahmefähigkeit für viele Nährstoffe spürbar: Bei älteren Menschen ist die Vitamin-B12-Aufnahme durch verminderte Magensäure häufiger eingeschränkt, und auch die körpereigene Vitamin-D-Aktivierung nimmt ab. Auch Schwangerschaft, Sport oder der Menstruationszyklus verändern den Bedarf spürbar. Ein einmal ermittelter Wert gilt daher nie für immer.
Das eigentliche Umdenken liegt nicht darin, mehr zu supplementieren, sondern gezielter zu messen – und die Antworten des eigenen Körpers über die Zeit hinweg ernst zu nehmen.
