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Lisa Patterer · 2 Min. Lesezeit

Wenn wir an Insulin denken, denken wir meist an Blutzucker. Doch das Hormon wirkt auch im Gehirn: Dort beeinflusst es Signalwege, die für die Funktion von Nervenzellen und für Lernen und Gedächtnis relevant sind. Die Verbindung zwischen Insulinwirkung und Alzheimer beschäftigt deshalb seit Jahren die Forschung.
Warum wird Alzheimer manchmal „Typ-3-Diabetes“ genannt?
Der Begriff beschreibt die Hypothese, dass eine gestörte Insulinwirkung im Gehirn zur Alzheimer-Erkrankung beitragen könnte. Forschende sprechen dabei von einer Insulinresistenz des Gehirns: Zellen reagieren weniger auf die Signale des Hormons.
Eine Studie an menschlichem Gehirngewebe zeigte bei Alzheimer eine verminderte Reaktion auf Insulin – auch bei Personen ohne bekannten Diabetes. Veränderungen der Insulinsignalwege standen mit schlechterer Gedächtnisleistung in Zusammenhang. Das unterstützt die Bedeutung dieser Mechanismen.
Was hat Typ-2-Diabetes damit zu tun?
Eine zusammengefasste Analyse von Studien mit rund 2,3 Millionen Menschen fand bei Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Risiko für spätere Demenzerkrankungen, darunter Alzheimer und vaskuläre Demenz. Der Zusammenhang bedeutet keine zwangsläufige Entwicklung: Diabetes führt nicht automatisch zu Demenz, und Alzheimer kann auch ohne Diabetes entstehen.
ABER: Warum der Stoffwechsel schon früh wichtig ist
Bei einer Insulinresistenz reagieren unter anderem Muskel-, Leber- und Fettzellen schlechter auf Insulin. Die Bauchspeicheldrüse kann dies zunächst durch eine höhere Insulinproduktion ausgleichen. Der Blutzucker bleibt dadurch möglicherweise noch normal, obwohl der Körper bereits mehr Insulin benötigt. Ein einzelner unauffälliger Glukosewert schließt eine beginnende Insulinresistenz deshalb nicht sicher aus.
Das erklärt, warum es sinnvoll ist, den Stoffwechsel im Gesamtbild zu beurteilen. Insulinresistenz und Prädiabetes verursachen häufig keine Beschwerden. Zur Abklärung dienen insbesondere Nüchternglukose und HbA1c, bei Bedarf auch ein Glukosetoleranztest. Blutdruck, Blutfette, Taillenumfang und die persönliche Vorgeschichte ergänzen die Einschätzung.
Was lässt sich konkret beeinflussen?
Die Lancet-Kommission zählt Diabetes, Bluthochdruck, erhöhtes LDL-Cholesterin und Adipositas zu insgesamt 14 beeinflussbaren Demenzrisikofaktoren. Nach ihrer Modellrechnung könnten weltweit bis zu 45 % der Fälle verhindert oder verzögert werden, wenn diese Faktoren beseitigt würden.
Dass Veränderungen im Alltag den Stoffwechsel beeinflussen können, zeigte das Diabetes Prevention Program: Ein intensives Programm aus Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduktion senkte bei Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko die Häufigkeit neuer Typ-2-Diabetes-Erkrankungen über durchschnittlich 2,8 Jahre um 58 % gegenüber Placebo.
Stoffwechselgesundheit verdient Aufmerksamkeit, solange wir uns gesund fühlen. Früh erkannte Veränderungen bieten die Möglichkeit, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt passende Maßnahmen einzuleiten.
