speak23 logo

Zurück zum Blog

Vorsorge

Alzheimer als „Typ-3-Diabetes“? Warum unser Stoffwechsel für das Gehirn wichtig ist

Insulin spielt auch im Gehirn eine Rolle. Studien zeigen, dass seine Wirkung bei Alzheimer gestört sein kann. Zugleich könnten durch die Reduktion von 14 beeinflussbaren Risikofaktoren weltweit bis zu 45 % der Demenzfälle verhindert oder verzögert werden. Was hinter dem Begriff „Typ-3-Diabetes“ steckt – und warum Stoffwechselgesundheit schon vor den ersten Beschwerden Aufmerksamkeit verdient.

Lisa Patterer · 2 Min. Lesezeit

Alzheimer als „Typ-3-Diabetes“? Warum unser Stoffwechsel für das Gehirn wichtig ist

Wenn wir an Insulin denken, denken wir meist an Blutzucker. Doch das Hormon wirkt auch im Gehirn: Dort beeinflusst es Signalwege, die für die Funktion von Nervenzellen und für Lernen und Gedächtnis relevant sind. Die Verbindung zwischen Insulinwirkung und Alzheimer beschäftigt deshalb seit Jahren die Forschung.

Warum wird Alzheimer manchmal „Typ-3-Diabetes“ genannt?

Der Begriff beschreibt die Hypothese, dass eine gestörte Insulinwirkung im Gehirn zur Alzheimer-Erkrankung beitragen könnte. Forschende sprechen dabei von einer Insulinresistenz des Gehirns: Zellen reagieren weniger auf die Signale des Hormons.

Eine Studie an menschlichem Gehirngewebe zeigte bei Alzheimer eine verminderte Reaktion auf Insulin – auch bei Personen ohne bekannten Diabetes. Veränderungen der Insulinsignalwege standen mit schlechterer Gedächtnisleistung in Zusammenhang. Das unterstützt die Bedeutung dieser Mechanismen.

Was hat Typ-2-Diabetes damit zu tun?

Eine zusammengefasste Analyse von Studien mit rund 2,3 Millionen Menschen fand bei Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Risiko für spätere Demenzerkrankungen, darunter Alzheimer und vaskuläre Demenz. Der Zusammenhang bedeutet keine zwangsläufige Entwicklung: Diabetes führt nicht automatisch zu Demenz, und Alzheimer kann auch ohne Diabetes entstehen.

ABER: Warum der Stoffwechsel schon früh wichtig ist

Bei einer Insulinresistenz reagieren unter anderem Muskel-, Leber- und Fettzellen schlechter auf Insulin. Die Bauchspeicheldrüse kann dies zunächst durch eine höhere Insulinproduktion ausgleichen. Der Blutzucker bleibt dadurch möglicherweise noch normal, obwohl der Körper bereits mehr Insulin benötigt. Ein einzelner unauffälliger Glukosewert schließt eine beginnende Insulinresistenz deshalb nicht sicher aus.

Das erklärt, warum es sinnvoll ist, den Stoffwechsel im Gesamtbild zu beurteilen. Insulinresistenz und Prädiabetes verursachen häufig keine Beschwerden. Zur Abklärung dienen insbesondere Nüchternglukose und HbA1c, bei Bedarf auch ein Glukosetoleranztest. Blutdruck, Blutfette, Taillenumfang und die persönliche Vorgeschichte ergänzen die Einschätzung.

Was lässt sich konkret beeinflussen?

Die Lancet-Kommission zählt Diabetes, Bluthochdruck, erhöhtes LDL-Cholesterin und Adipositas zu insgesamt 14 beeinflussbaren Demenzrisikofaktoren. Nach ihrer Modellrechnung könnten weltweit bis zu 45 % der Fälle verhindert oder verzögert werden, wenn diese Faktoren beseitigt würden.

Dass Veränderungen im Alltag den Stoffwechsel beeinflussen können, zeigte das Diabetes Prevention Program: Ein intensives Programm aus Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduktion senkte bei Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko die Häufigkeit neuer Typ-2-Diabetes-Erkrankungen über durchschnittlich 2,8 Jahre um 58 % gegenüber Placebo.

Stoffwechselgesundheit verdient Aufmerksamkeit, solange wir uns gesund fühlen. Früh erkannte Veränderungen bieten die Möglichkeit, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt passende Maßnahmen einzuleiten.

Galerie


Quellen

  1. Suzanne M de la Monte, Jack R Wands. Alzheimer's disease is type 3 diabetes-evidence reviewed — J Diabetes Sci Technol. (2008) · DOI: 10.1177/193229680800200619
  2. Konrad Talbot, Hoau-Yan Wang, Hala Kazi, Li-Ying Han, Kalindi P Bakshi, Andres Stucky, Robert L Fuino, Krista R Kawaguchi, Andrew J Samoyedny, Robert S Wilson, Zoe Arvanitakis, Julie A Schneider, Bryan A Wolf, David A Bennett, John Q Trojanowski, Steven E Arnold. Demonstrated brain insulin resistance in Alzheimer's disease patients is associated with IGF-1 resistance, IRS-1 dysregulation, and cognitive decline — J Clin Invest. (2012) · DOI: 10.1172/JCI59903
  3. Saion Chatterjee 1, Sanne A E Peters 2, Mark Woodward 3, Silvia Mejia Arango 4, G David Batty 5, Nigel Beckett 6, Alexa Beiser 7, Amy R Borenstein 8, Paul K Crane 9, Mary Haan 10, Linda B Hassing 11, Kathleen M Hayden 12, Yutaka Kiyohara 13, Eric B Larson 14, Chung-Yi Li 15, Toshiharu Ninomiya 13, Tomoyuki Ohara 13, Ruth Peters 6, Tom C Russ 16, Sudha Seshadri 17, Bjørn H Strand 18, Rod Walker 14, Weili Xu 19, Rachel R Huxley 20. Type 2 Diabetes as a Risk Factor for Dementia in Women Compared With Men: A Pooled Analysis of 2.3 Million People Comprising More Than 100,000 Cases of Dementia — Diabetes Care. (2016) · DOI: 10.2337/dc15-1588
  4. Gill Livingston 1, Jonathan Huntley 2, Kathy Y Liu 3, Sergi G Costafreda 4, Geir Selbæk 5, Suvarna Alladi 6, David Ames 7, Sube Banerjee 8, Alistair Burns 9, Carol Brayne 10, Nick C Fox 11, Cleusa P Ferri 12, Laura N Gitlin 13, Robert Howard 4, Helen C Kales 14, Mika Kivimäki 15, Eric B Larson 16, Noeline Nakasujja 17, Kenneth Rockwood 18, Quincy Samus 19, Kokoro Shirai 20, Archana Singh-Manoux 21, Lon S Schneider 22, Sebastian Walsh 10, Yao Yao 23, Andrew Sommerlad 4, Naaheed Mukadam 4. Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission — Lancet. (2024) · DOI: 10.1016/S0140-6736(24)01296-0